Warum ein Projekt zur Studierendengesundheit?

Studierende sind mit dem Eintritt ins Studium erstmals umfassend für die Gestaltung ihres eigenen Alltags zustän­dig. Sie kommen bereits mit Einstellungen, Kompe­tenzen und Handlungsmustern – u.a. zum Thema Gesundheit – an die Hochschule. Über den allgemeinen hochschulbezogenen Sozialisationsprozess (vgl. Göring & Rudolph 2015) prägen sie in Aus­einandersetzung mit weiteren Ak­teuren wie Peers und Dozierenden sowie den organisationalen Rahmenbe­dingungen der Hochschule gesundheitsbezogene Routinen aus. Geht man davon aus, dass an Hochschulen in der Regel Entscheidungsträger*innen von Morgen ausgebildet werden, die im Berufsleben Verantwortung für die gesundheitliche Situation anderer Men­schen übernehmen (Rosenbrock 2006), stellt das Studium nicht nur eine Phase des Übergangs dar: Es bietet auch die Möglichkeit zur Weichenstellung für den künftigen Umgang mit sich selbst und Anderen.

Dem aktuellen Forschungsstand zufolge sind Studierende im Schnitt zwar gesünder als Gleichaltrige, die nicht studieren. Dennoch können Befunde zur Überforderung durch das Studium, zum Bedarf an psychologischer Beratung, zu hohem Stressempfinden und hohen Leistungserwartungen an sich selbst, Substanzkonsum zur Leistungssteigerung etc. nicht ignoriert werden.

Es ist also der passende Zeitpunkt für ein Projekt zur Förderung der Studierendengesundheit.

Allerdings steht gerade die lebensweltlich orientierte – und damit an der Perspektive von Studierenden selbst interessiert – Forschung zu Gesundheit noch relativ am Anfang. Ein Anliegen des Projekts ist es daher auch, typische Relevanzen und Relevanzhierarchien von Studierenden zu erkunden und damit systematisch deren Perspektive auf Gesundheit zu erforschen und auf dieser Basis geeignete Maßnahmen zu entwickeln.